Web Usability Engineering beschäftigt sich mit Vorgangsweisen und Methoden bei der Entwicklung benutzerorientierter Websites.In Anlehnung an die Vorgangsweise bei der benutzerzentrierten Softwareentwicklung wird im folgenden eine Vorgangsweise für eine qualitätsorientierte Entwicklung von Web-Systemen vorgestellt. AnalysephaseAls erster Schritt ist eine Analysephase durchzuführen, in der jene Informationen analysiert werden, die die Basis für das Webdesign bilden. Diese Phase kann untergliedert werden in eine Phase der Anforderungsanalyse, eine Benutzeranalyse und eine Taskanalyse.
AnforderungsanalyseIn der Anforderungsanalyse sollten Entscheidungen darüber getroffen werden, welche Informationen präsentiert werden sollen und zu welchem Zweck. Es sind Fragen zu beantworten wie: Was ist der eigentliche Zweck des Internetauftritts und welche Zielsetzungen werden damit verfolgt. Welche Information ist daher für den Benutzer wesentlich und soll vom Benutzer besonders rasch gefunden werden?
BenutzeranalyseIn der Benutzeranalyse wird ein Modell des künftigen Benutzers entworfen. Dazu können zum einen allgemeine Untersuchungen über Internetbenutzer herangezogen werden. Weiters sind Überlegungen anzustellen, an welche Internetbenutzer das System gerichtet ist und in welchem Verhältnis diese Benutzer zur Organisation stehen. Z.B. Benutzer, die die Organisation kennen, Mitarbeiter der Organisation (v.a. Intranet), Internetbenutzer die "zufällig vorbeisurfen", Inländer, Ausländer, Wiener, Touristen etc. Als Methode eignen sich z.B. Personas.
TaskanalyseIn der Taskanalyse wird untersucht, welches Ziel ein Benutzer verfolgen wird, bzw. welche Aufgaben er/sie lösen möchte. Zu diesem Zweck werden Interviews durchgeführt und Tasklisten erstellt, in denen einzelne Zielsetzungen aufgelistet werden.
Strukturdesign und PrototypBasierend auf der Analysephase kann nun ein erstes Design erfolgen. Die erste Ausprägung eines Entwurfs bezieht sich vor allem auf die Struktur und Verlinkung der Website. Besonders für umfangreiche Sites ist eine sorgfältige Erarbeitung der Struktur essentiell. Betreffend das Layout werden zunächst nur Entscheidungen über den grundsätzlichen Aufbau der Seiten getroffen und z.B. als Wireframe dargestellt. Wie auch beim Softwaredesign üblich wird für einen bestimmten Typus von Seiten ein Rahmen entwickelt, der eine Basis für den Styleguide bildet und für den definiert wird, wo die eigentliche Information auf der Seite zu finden sein soll, wo Logos, Links, Kontaktmöglichkeiten, Navigationshilfen etc. positioniert sein sollen. Nun kann ein Prototyp entworfen werden, der die geplante Struktur und Verlinkung repräsentiert.
Usability TestsDer Strukturprototyp ist die Ausgangsbasis für Usability Tests. Wesentlich ist, daß Usability Tests sorgfältig geplant werden, es sind Testbenutzer aus der künftigen Benutzergruppe auszuwählen, Aufgaben, die diese mit dem System bewältigen sollen, sind zu definieren und ein User Interface Experte sollte beim Usability Test anwesend sein. Es genügt nicht: Usability Tests über das Web oder "nur" Fragebogen oder "nur" Interviews.
Redesign und detailliertes DesignAnhand der Erkenntnisse, die aus dem ersten Usability Test gewonnen werden konnten, erfolgt ein Redesign des Strukturprototyps. Je nach konkreter Projektsituation können weitere Prototyping-Zyklen durchlaufen werden. Nach Freigabe des Strukturdesigns kann dann das detaillierte Design erfolgen. Je nach Umfang der Site wird auch ein Styleguide entwickelt. Beim detaillierten Design sind Entscheidungen über das Aussehen der Seiten zu treffen, über Text/Graphik, genaue Formulierung von Texten, Icons, Farben etc. Eine Ausrichtung am Zweck der Seiten und der bestehenden CI einer Organisation ist natürlich auch hier Grundvoraussetzung. Auch anhand des detaillierten Designs sollten Usability Tests durchgeführt werden. Weiters sind Test zur Wirkung des Designs auf unterschiedlichen Systemen, Bildschirmen (z.B. Laptop, PDA)) und Browsern notwendig.
Laufendes Feedback und WartungNach der Publikation der Website sollte den Benutzern eine Feedbackmöglichkeit eingeräumt werden, durch die sie Kommentare zur Bedienbarkeit einbringen können. Als zusätzliche Resource für Benutzerfeedback sollte diese - auch sehr kostengünstige - Möglichkeit jedenfalls genutzt werden für künftige Updates der Seiten. |
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